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Digitalisierung ist keine kleine Veränderung, sie ist eine Revolution!

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Der Wille zur Digitalisierung ist im Mittelstand vorhanden. Das konnte ich in vielen Gesprächen, die ich in den letzten Monaten geführt habe, deutlich feststellen. Besorgniserregend hingegen sind einerseits die Vorstellung über die Auswirkungen der digitalen Transformation auf das eigene Business als auch die Zeitvorstellungen bei der Umsetzung. Ja, die Auftragsbücher sind voll, die Mitarbeiter gut beschäftigt. Doch das Ausmaß der Veränderungen und vor allem deren Geschwindigkeit können wie ein Tsunami wirken und ganze Unternehmen in Nischen drängen oder gar ganz auslöschen.

Sie glauben es nicht? Dann denken Sie an WhatsApp. Die beiden Gründer Jan Koum und Brian Acton haben mit Ihrem Messengerdienst das SMS-Geschäft der Mobilfunkanbieter vom Erfolgsgaranten in die Nische gedrängt. Während 2012 noch pro Tag 162,9 Mio. SMS-Nachrichten verschickt wurden, waren es 2015 gerade mal 39,8 Mio. Dagegen stehen 667 Mio. Nachrichten, die per WhatsApp verschickt wurden . Und diese waren nicht nur auf 160 Zeichen Text beschränkt. Bilder, Videos und später auch Sprachnachrichten haben die SMS bis heute nahezu vollständig verdrängt.

Studien belegen einen gefährlichen Trend

Eine durch den Branchenverband Bitkom initiierte Studie belegt mittlerweile, was ich im täglichen Geschäft immer wieder bemerke: Der Wille zur Digitalisierung ist da, doch aufgrund voller Auftragsbücher und der damit verbundenen Auslastung der Mitarbeiter verschieben sich entsprechende Projekte nach hinten. Teilweise auf „unbestimmte Zeit“.

Der Branchenverband bitkom fragte 604 Unternehmen mit 20 und mehr Mitarbeitern nach ihren Investitionen in das digitale Geschäft. Nur 23 Prozent investieren 2018 in digitale Geschäftsmodelle. 73 Prozent verzichten darauf! Noch kritischer sehe ich die Erkenntnisse aus einer Studie, die das Marktforschungsinstitut Gfk im Auftrag des Beraters Etventure durchgeführt hat. Darin sagen 55 Prozent der Befragten, dass sie unter Digitalisierung in erster Linie die Modernisierung bestehender Geschäftsmodelle sowie bestehender analoger Prozesse verstehen.
Warum drängt die Zeit?

Um diese Frage zu beantworten, muss man die digitale Transformation nicht als Veränderung der eigenen Prozesse sehen, sondern als eine Bewegung, die jeden Bereich des Lebens betrifft. Durch technischen Fortschritt, der sich nach wie vor lawinenartig ausbreitet, werden ganz neue Geschäftsmodelle, Produkte und Lösungen möglich. Prozessoren werden nach wie vor immer leistungsfähiger, Speicherkapazitäten wachsen und werden günstiger, Sensoren sammeln Daten und speichern diese in immer intelligenteren Datenbanken.

All das passiert permanent mit wachsender Geschwindigkeit. Erfolgreich wird letztendlich nur der sein, der diese Trends erkennt und in eigene neue Geschäftsmodelle einfließen lässt. Genau das haben beispielsweise Unternehmen wie WhatsApp oder Nest (Intelligente Heizungssteuerungen, Rauchmelder und Sensoren) gemacht.

Nicht nur erneuern, neu erfinden lautet die Herausforderung

Natürlich sollte die Digitalisierung auf Basis der laufenden Prozesse und Geschäftsmodelle gestartet werden. Hier spielen insbesondere Industrie 4.0 mit folgenden Bereichen eine entscheidende Rolle:

  • Optimierung von Prozessen und Kommunikationswegen auf Basis von Sensoren und entsprechend aufgesetzten Kommunikationswegen zwischen Maschinen wie auch Menschen und Maschinen.
  • Predictive Maintenance sorgt dafür, dass Betriebskosten durch vorbeugende Wartung reduziert werden. Dafür werden Sensordaten permanent überwacht und Unregelmäßigkeiten frühzeitig erkannt. Auch hier findet eine automatisierte Kommunikation zwischen Maschinen als auch zwischen Menschen und Maschinen statt.
  • Geringere Kosten für Informationen und Kommunikation werden durch neue Formen der Zusammenarbeit erreicht. Das klassische Telefon wird durch Smartdevices und deren Multimediafähigkeiten erweitert.

Im zweiten Schritt muss über den Tellerrand bestehender Prozesse und Geschäftsmodelle hinausgedacht werden. Auch hier spielen wieder Sensoren, Datenbanken und deren intelligente Auswertung dank künstlicher Intelligenz eine entscheidende Rolle. Fast alle erfolgreichen Geschäftsmodelle basieren auf diesen Komponenten. Warum? Weil sie sich fast automatisch selber hinterfragen und neuen Herausforderungen anpassen. Mit wachsender Datenmenge werden sie besser, präziser und wirtschaftlicher.

Das Ganze lässt sich mit eindrucksvollen Beispielen unterlegen. So liefern beispielsweise die Sensoren auf Landmaschinen Unmengen an Daten, die kombiniert mit Echtzeit- und historischen Informationen „Precision Farming“ ermöglichen. Das geht von autonom fahrenden Landmaschinen über die Bepflanzung und Bewirtschaftung bis zum zentimetergenauen Versprühen von Pestiziden und Herbiziden inklusive Bewässerung.

Das Beispiel ist deshalb so interessant, weil der Hersteller auf Basis der Daten nicht nur seine eigenen Produkte enorm verbessert hat, sondern durch den Verkauf anonymisierter Daten an Saat- und Chemieunternehmen auch völlig neue Geschäftsmodelle entwickelt hat.

Das Gleiche gilt für Nest, die einerseits intelligente Heizungssteuerungen verkaufen, andererseits mit den Daten der Geräte Energieversorger bei der Planung unterstützen.

Agilität, Innovationsbereitschaft und permanentes Hinterfragen sichern den Erfolg

Dass gerade StartUps für einige der größten Erfolgsgeschichten stehen zeigt ein Problem renommierter Unternehmen: Sie sind behäbig geworden. Siloartige Strukturen erschweren oder verhindern gar die notwendige Agilität. Insofern müssen Unternehmen häufig Strukturen anpassen, um den Weg zur Digitalisierung zu ebenen. Neue Positionen wie die des CDO (Chief Digital Officer) zeigen, dass dies gerade passiert.

Und das ist gut so, denn die Zeit drängt. Beginnen Sie jetzt, denn die Geschwindigkeit, mit der sich neue Unternehmen und Geschäftsmodelle etablieren, steigt weiter. Deshalb sollten Sie dafür sorgen, dass Ihr Unternehmen auf der Welle surft und nicht von ihr überrollt wird.

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